Emanuel Kohli, MLaw 

Ratgeber: GRILLIEREN AUF DEM BALKON
Darf ich das auch mit Holzkohle? Oder bis um welche Uhrzeit darf ich mit meinen Freunden Grillsommerabende auf dem Balkon geniessen?
Emanuel Kohli des Rechtsdienstes gibt Auskunft. Anbei das ganze Interview auch in Textform. 

 

Wie sieht es aus mit grillieren auf dem Balkon? Ist das generell erlaubt und wo man sich im Einzelfall informieren?
Das Mietrecht enthält nichts direkt über das Grillieren. Informationen über die Regelung kann man im Mietvertrag oder in der Hausordnung finden. Es empfiehlt sich also zuerst mal dort nachzuschauen - grundsätzlich wäre es auch rechtens das Grillieren generell zu verbieten. 

Obwohl grillieren in unserer Liegenschaft erlaubt ist, sagt mein Nachbar, ich dürfe dies nicht tun, da es ihn störe. Was kann ich tun?
Hier kommt es darauf an, ob diese "Störung" - das Recht spricht hier von Emissionen - übermässig ist oder nicht. Der gesunde Menschenverstand regelt das aber eigentlich ganz gut: Wenn man den Nachbarn komplett "zuqualmt", dann wird es sicher übermässig sein, wenn man allerdings auf einem Gasgrill ein nicht allzu fettiges Fleisch grilliert und es im Mietvertrag oder in der Hausordnung nicht explizit verboten ist, ist es sicher in der Regel kein Problem.

Das Mietrecht sagt zum Umgang mit Nachbarn folgendes (Art. 257f, Abs. OR 2): "Der Mieter einer unbeweglichen Sache (in dem Fall die Wohnung) muss auf Hausbewohner und Nachbarn Rücksicht nehmen." D.h. es gibt die gesetzlich Pflicht der Rücksichtsnahme. Natürlich muss man situativ anschauen, was Rücksichtnahme nun genau bedeutet, aber auch hier hilft der gesunde Menschenverstand. Lieber einmal zu viel mit dem/den Nachbarn sprechen und ein allfälliges kleines Fest ankündigen, mit dem Hinweis, dass es vielleicht etwas lauter werden könnte und vielleicht etwas länger dauern könnte.

Gibt es Einschränkungen bei der Art des Grills? Oder darf man sogar mit Holzkohle auf dem Balkon grillieren?
Es gibt grosse Unterschiede bei der Menge von Emissionen, also sogenannte Störungen, die bei den verschiedenen Grillarten entstehen. Natürlich hat ein Holzkohlegrill eine deutlich grössere Rauchentwicklung als ein Gas- oder Elektrogrill. In einem Mehrfamilienhaus empfiehlt es sich nicht wirklich mit Holzkohle oder gar einem offenen Feuer zu grillieren. Die Rauchentwicklung kann schnell übermässig im Sinne des Gesetzes werden und da ist man sicher entspannter mit einem Gas- oder Elektrogrill.

Mal abgesehen von den Rauchemissionen, wie sieht es mit dem Lärm eines Grillabends aus?
Auch beim Lärm giltt die Rücksichtnahmepflicht sowie die Ruhezeiten. Ab abends um 22:00 Uhr müsste der Lärmpegel dann schon deutlich abnehmen.

Wenn, obwohl ich mich an alle Bestimmungen halte, es trotzdem Ärger mit dem Nachbarn gibt - was mache ich dann? 
In einem solchen Fall würde ich mich an den Vermieter oder die Verwaltung wenden, wenn das direkte Gespräch mit dem Nachbarn zu nichts führt. Das gleiche Recht hat natürlich auch der Nachbar. Auch er kann sich an die Verwaltung wenden, wenn der Nachbar zu oft und zu intensiv grilliert, er häufig von übermässigen Rauch- oder Lärmemissionen geplagt ist. In einem solchen Fall müsste der Vermieter oder die Verwaltung den fehlbaren Mieter dann abmahnen. 

Mein Nachbar muss berufsbedingt morgens um vier Uhr aufstehen und geht ca. um neun Uhr ins Bett. Da er im Sommer bei offenem Fenster schläft, können wir unseren Balkon an Sommerabenden kaum noch nutzen. Wer muss nun auf wen Rücksicht nehmen?
Es ist primär das Problem von beiden Nachbarn, da wahrscheinlich beide in Frieden zusammen als Nachbarn wohnen wollen. Auch hier hilft die Rücksichtnahmepflicht. Rein rechtlich wäre es eher so, dass der Nachbar, der so früh aufstehen bzw. zu Bett muss oder will, ein spezielles Bedürfnis hat, nämlich, dass er vor den offiziellen Nachtruhezeiten (22:00 Uhr) bereits Ruhe verlangt.  Aber obwohl man mit der Einhaltung der Nachtruhezeiten zwar im Recht ist, dafür aber Krieg im Haus in Kauf nimmt, ist auch niemandem geholfen. Der Dialog kann helfen und vielleicht findet man eine Lösung, die für beide Parteien stimmt, z.B. das man vereinbart, vereinzelt an gewissen Abenden nicht auf das Grillieren oder überhaupt auf die Benutzung des Balkons zu verzichten, an anderen Abenden dafür schon. In vielen Fällen fährt man mit solchen Kompromissen für beide Partien gut.

 

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